Auszüge aus dem Buch "Der Erste Messias"
Echnaton
 
 

Der Friedensapostel

Eine alte Machttradition zeigte den Pharao früher häufig, wie er im Namen Amuns die Feinde symbolisch erschlug. Hier der Herrscher, die Keule schwingend, in der anderen Hand die gefesselten Feinde. Es sollte dem Volk zeigen: Seht her, ich bin da für eure Sicherheit und für euer Wohlergehen.
Diese Gesten waren Echnaton fremd. Obwohl muss man einschränkend sagen: Es wurde eine Zeichnung gefunden, in der eindeutig Nefertiti in dieser Rolle zu sehen ist. Ob das vom Herrscher abgesegnet war, ist uns nicht bekannt. Oder war es vielleicht eine kursierende Karikatur, in der böswillige Amun-Priester bzw. deren Anhänger auf die dominierende Rolle Nefertitis im Verhältnis zu Echnaton hinweisen wollten. In unserer heutigen Zeit finden wir derartige entstellende Machwerke über die aktuellen Politiker und Herrscher wohl tagtäglich in den Zeitungen und Zeitschriften.
Echnaton war ein Mann des Friedens und aus seiner Regierungszeit sind keine Feldzüge historisch überliefert. Allen Völkern - so in seinem Sonnengesang - schien die Sonne Aton unterschiedslos und es war für Echnaton wenig ersichtlich, warum man sie mit Krieg überziehen sollte.
Die dringenden Appelle seines Generals Haremhab, der später selbst Pharao werden sollte, stiessen bei ihm auf taube Ohren. Denn an der unruhigen Nordostflanke, im heutigen Libanon, Syrien und Palästina riefen die treuen Vasallen um dringende Hilfe gegen die eindringenden Hethiter.
Echnaton reagierte abweisend. In den später gefundenen, sogenannten Amarna-Briefen sind leider keine Zeugnisse über die damalige Situation im Nordosten enthalten. Im Zusammenhang mit Echnaton sind nur Klagen des Königs von Mitanni, Tuschratta zu erwähnen, der sich über ungenügende Goldlieferungen beklagte, die der Vater von Echnaton ihm zugesichert haben soll.
Die Amarna-Briefe wurden zufällig im Jahr 1887 von einer ägyptischen Bäuerin beim Graben in den Überresten von Achet-Aton, jetzt Amarna genannt, entdeckt. Sie grub nach sebach, Schlammziegelstaub, der noch heute als stickstoffhaltiger Kunstdünger verwendet wird. Wie sich später herausstellte, war der Fundort das frühere "Haus der Korrespondenz des Pharaos" gewesen. Es sind natürlich keine Briefe in unserem Sinn, auch nicht auf Papyrus geschrieben, sondern auf Tontäfelchen aus sonnengetrocknetem Ton. Sie enthalten auch keine Hieroglyphen oder eine andere ägyptische Umgangsschrift, sondern sind auf Akkadisch oder Babylonisch verfasst. Diese Sprachen waren in der damaligen Zeit die Korrespondenz-Sprachen zwischen den Herrschern.
Auf jeden Fall sind aus der Regierungszeit Echnatons keine Kriegszüge gegen die Nachbarn im Süden oder im Nordosten historisch gesichert.
Ein Pazifist - durchaus im christlichen Sinn.

Vom Polytheismus zum Monotheismus
Seine wohl grösste, mutigste und zukunftsweisendste Leistung war der Versuch, den Schritt vom althergebrachten Polytheismus zum Monotheismus zu wagen.
Nie zuvor in der uns bekannten Geschichte hat jemand einen solchen kühnen Schritt gewagt. Er versuchte - das Wort "versuchen" sei immer wieder hervorgehoben - den Einwohnern Alt-Ägyptens eine rund 1500 Jahre alte Tradition und Religion regelrecht abzugewöhnen
Er wollte sie von ihrem Glauben an die aus Stein, Holz oder Metall geformten Götter "befreien", oder sollte man sagen "erlösen".
Er setzte dafür - getreu seinem Ziel, zurück zur Einheit, zu einem Gott - das Symbol der Sonnenscheibe Aton, die alles Leben beleuchtete und auch hervorbrachte, wie später bei der Betrachtung des Sonnenhymnus zu sehen sein wird.
Dieser Gott duldete keine andern Götter neben sich, da sie die Menschen nur vom rechten Weg abbrachten.
Wir finden viele Jahre später in den Büchern Mose eine ähnliche Situation, als Moses vom Berg herabsteigt und sieht, wie die Kinder Israel noch immer an ihren alten Götzen, dem goldenen Kalb, hängen - durchaus eine Anlehnung an ihre Aufbruchsstätte Ägypten, in dem die Apis-Stiere ebenfalls eine ungewöhnliche Verehrung erfuhren.
Es ist nicht bekannt, wie und wann genau dieser Gedanke in ihm reifte. Bekannt ist nur, dass bereits bei seinem Vater und auch Grossvater die Sonnenscheibe Aton Erwähnung fand. Sein Vater Amen-hotep III hatte sogar ein Schiff, das auf einem künstlich angelegten See seine Bahn zog, auf den Namen "Aton glänzt" taufen lassen.
Ebensowenig wissen wir um die Rolle Nefertitis und ihren Einfluss bei diesem kühnen Unterfangen. Es dürfte aber als sicher gelten, dass ein Konsensus in diesen Dingen eine Voraussetzung für die auch in Bildern dargestellte harmonisch geführte Ehe gewesen sein muss, aus der sechs Töchter hervorgingen.

 
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